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16.10.2018

Lesezeit: etwa 4 Minuten

Bankenverband warnt in Konjunkturprognose vor Risiken!

„Risiken für die Weltwirtschaft erheblich zugenommen!“

Sascha A. Roßmüller

Die Federal Reserve zieht in den USA sukzessive die Zinsen an, Mario Draghi vermeidet dies für die Europäische Zentralbank vehement, Lega Nord-Frontmann und Italiens Innenminister Matteo Salvini legt sich mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Junker an, USA und China schaukeln sich in Handelsstreitigkeiten hoch, während der Kalte Krieg mit Russland die Sanktionsspirale nach oben schraubt, und in Sachen Brexit nach wie vor Weltuntergangsprophezeiungen an die Wand gemalt werden. Angesichts dieses Umfeldes erstellte der Bundesverband Deutscher Banken seine Konjunkturprognose für 2019, die die ein oder andere interessante Einschätzung aufweist. Laut Volker Hofmann, dem Direktor des Geschäftsbereichs Wirtschaft des Verbandes, haben – so die wenig erbauliche Botschaft - in den zurückliegenden sechs Monaten die Risiken für die Weltwirtschaft erheblich zugenommen. Was die regional- und binnenmarktorientierten Freihandelsskeptiker dabei in ihrer Auffassung bestätigen dürfte, ist die im Grunde logische Feststellung in besagter Konjunkturprognose, dass vor allem Länder betroffen seien, die über den Warenhandel sowie mit länderübergreifenden Produktionsketten stark in den globalen Wirtschaftsprozess eingebunden wären.

Das globale Wachstum setze sich zwar auch im kommenden Jahr noch fort, werde jedoch rückläufig sein. Interessant ist gemessen an der anhaltenden medialen Hetze gegen US-Präsident Donald Trump, dass laut dem Bankenverband das globale Wirtschaftswachstum nicht unmaßgeblich durch die besonders kräftig wachsende US-Wirtschaft gestützt werde. „Mit einer Wachstumsrate von rund 2,5 Prozent sollte die US-Wirtschaft aber auch 2019 deutlich stärker expandieren als im langfristigen Trend“, heißt es in der Prognose. Die Konjunktur im Euroraum hätte im ersten Halbjahr 2018 an Schwung verloren, wozu nicht zuletzt die Belastung des privaten Konsums durch die höheren Ölpreise beigetragen habe. Jedoch sollen „die konjunkturellen Frühindikatoren einen Boden gefunden haben“ und der Verband sagt eine Wachstumsrate von 1,8 Prozent voraus. Allerdings dürfte diese Prognose mit Vorsicht zu bewerten sein, da der Bankenverband im selben Zusammenhang ebenso feststellt: „Ein großes Risiko für diese Prognose sind allerdings die Brexit-Verhandlungen. Ein harter Brexit würde auf jeden Fall auch Bremsspuren in der Konjunktur der Eurostaaten (!) hinterlassen.“ Dies lässt insofern etwas aufhorchen, da lange Zeit jegliche Negativfolgen eines harten Brexit einzig und allein dem Vereinigten Königreich zugesprochen wurden, niemals aber der Europäischen Union (EU). Je näher der Trennungs-Showdown rückt, desto realistischer scheinen wohl die Einschätzungen zu werden.

Bezugnehmend auf eine Normalisierung der allgemeinen Preisentwicklung im Euroraum und der im nächsten Jahr - ohne Energie und Nahrungsmittel (!) - auf gut 1,5 Prozent anziehenden Kerninflationsrate, äußern die Bankenvertreter ihre Erwartung, dass die EZB beim Ausstieg aus dem geldpolitischen Krisenmodus voranschreitet. Die Botschaft vernehmen wir wohl, allein es fehlt der Glaube, möchte man unter der EZB-Ägide Mario Draghis erwidern. „Spätestens von der nächsten EZB-Ratssitzung Anfang November wird ein verbindliches Ende der Nettoanleihekäufe zum Jahreswechsel 2018/19 erwartet. Danach sollte zügig ein Fahrplan für das Ende der Negativzinsen kommuniziert werden“, lautet die Bankenempfehlung im Wortlaut. Mit Blick auf die Investitionsentwicklung wird das Vertrauen in die letztendlich auch für Deutschland vermutete Wachstumsprognose im kommenden Jahr etwas erschüttert. „Im kommenden Jahr ist sogar wieder eine Verlangsamung der Investitionsdynamik auf enttäuschende 3,1 Prozent zu befürchten“, lautet der diesbezüglich negative Ausblick.

Das Statement von Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, hinsichtlich der Investitionen lässt auch wenig Interpretationsspielraum: „Gemessen an der Ertragslage der Unternehmen, der hohen Kapazitätsauslastung, dem anhaltenden Wirtschaftswachstum und den weiterhin sehr niedrigen Zinsen hätten die Investitionen viel kräftiger wachsen müssen. Für das kommende Jahr befürchten die Chefvolkswirte der privaten Banken in Deutschland erneut eine deutliche Wachstumsverlangsamung bei den Investitionen“, äußerte sich Ossig unzweideutig.

„Wir sollten nicht vergessen, dass die derzeitige üppige Situation der öffentlichen Haushalte und der Sozialkassen der wirtschaftlichen Sonderentwicklung in Deutschland und der extremen Niedrigzinspolitik der EZB zu verdanken ist. Beide Faktoren sind nicht von Dauer und die Demografie wird schon bald die Fiskalsituation deutlich belasten“, warnte auch Stefan Schneider, unter anderem Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes, im Interview mit der Börsenzeitung vor vorschnellen Schlüssen. - Einem in politischen Sonntagsreden versprühten Zukunftsoptimismus in „Wir schaffen das“-Manier sollte man als Realo wohl weiterhin mit skeptischer Zurückhaltung begegnen.

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